Jeder kennt sie, die Phase im eigenen Leben, in der man sich profilieren möchte. Ich hab diese Phase durchgemacht und fast alle die ich kenne ebenso. Etwa im Alter von 14 Jahren fängt man an sich dunkler zu kleiden, experimentiert mit immer “böserer” Musik und versucht sich irgendwie mysteriös oder verschlossen zu geben. Einhergehend mit diesen “Wandlungen” fängt man an, sich böse Idole zu suchen und bezeichnet alles was diesen nicht entspricht als “Poser”,” “Möchtegerns”, “Normalos” oder eben als “untrue”.
Spätestens bei dem Wort “untrue” oder “Poser”, ist sicher dem Einen oder anderen das Licht aufgegangen, das es sich hierbei höchstwahrscheinlich um “Metaller” oder “Gothics” handeln muss. Keine anderen Jugendgruppen bilden sich so sehr ein, etwas Besseres und Böseres zu sein als der Rest der Welt. Natürlich trifft man sich mit seines Gleichen um über die “untrue”n her zu ziehen, alles für “Krieg” zu erklären und gibt sich im besten Falle dabei mit ‘Corpsepaint’ im Gesicht einer Alltäglichen Tätigkeit hin, nimmt diese auf Video auf und stellt sie auf Youtube online. Natürlich bekommt man durch solche Aktionen in irgendeiner Art und Weise die Aufmerksamkeit die man sich wünscht.
Ganz wichtig für diesen Lebensabschnitt ist natürlich auch die Böse Musik, deren Fans und noch viel wichtiger alle Fans von anderer Musik, die natürlich sofort als untrue, Pussies und Gaymetaller zu bezeichnen sind. Ultrawichtig für diese Phase ist, dass man keine andere Musik als genrespezifische Musik, z.B. “Black Metal” oder “Death Metal” an sich ran lässt oder gar zugibt, dass einem ein Musikstück aus einem komplett anderen Genre, z.B. HipHop oder Trance zusagt und man sich diese ab und an mal anhört.
Wenn man sich mit Musik befasst und seine bösen Idole an ihren Instrumenten beobachtet, bekommt man auch irgendwann Lust, genau sowas ab zu ziehen. Man besorgt sich unterdurchschnittlich gute Instrumente oder, wenn man die richtigen eltern hat, lässt man sie sich in den Arsch stecken. Die ersten Gehversuchen an den Instrumenten sind fast immer sehr schwer zu spielende Stücke der entsprechenden Lieblingsband. Natürlich kann man das nicht so nachspielen, wie man es gerne hätte und trifft sich daher mit seinen Freunden zum Saufen, um dabei zufällig die Gitarre oder sonstwas raus zu holen und dann unter dem Vorwand des Bierrausches zu prahlen, das man das ja nüchtern viel besser könne. Sollte das keine Überzeugungsarbeit bei den Mittrinkenden leisten, brüstet man sich einfach damit, das es ja “übelster Underground” sei und das das so zu klingen hat. Das alles nur, weil man nicht zugeben kann, das es man es einfach nicht drauf hat, man aber dennoch böse sein und sein Gesicht vor den “Freunden” nicht verlieren möchte.
Irgendwann wird man erwachsen. Naja zumindest manche von denen. Viele sehen gar nicht wie lächerlich sie eigentlich sind und bleiben ewig auf dieser “Böse”-Schiene gekoppelt mit wirklich schlechtem Humor hängen.
Ich für meinen Teil kann sagen, das ich sehr froh darüber bin, erwachsen geworden zu sein. Das beste daran ist zum Beispiel, dass ich anziehen kann und noch wichtiger, mir anhören kann was ich will. Rückblickend auf meine Böse Phase muss ich sagen, das ich sehr über mich lachen kann, wie ich vor 11 Jahren rumgelaufen bin und versucht habe, etwas zu verkörpern, was ich eigentlich gar nicht sein wollte oder gar konnte. Eher traurig finde ich , dass ich erst sehr spät zugelassen habe, das coole Musik an mich rantreten konnte. Wenn ich mir so manche Festival-DVD anhöre/ansehe oder an längst vergangene Konzerte denke, könnte ich mir immer noch in den Arsch beissen, das ich mir die eine oder andere Band einfach nicht angesehen habe, weil ich sie zu “Untrue” fand oder alleie anhand des Genres gesagt habe, dass die Band eh nichts drauf hat. Durch diese Einstellung habe ich damals wirklich coole Bands und geile Musik verpasst. Das wird jetzt natürlich alles nachgeholt
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Wie komme ich eigentlich auf das Thema?
Bei einem der vielen Pepe-Kaio-Youtube-Bierabende, stießen wir auf eine Coverversion eines simplen Black Metalsongs, welcher von Halbstarken versucht wurde nach zu spielen. Nachdem wir uns köstlich darüber amüsierten, wie sie versuchten böse rüber zu kommen und sich dabei auch noch an die richtige Notenreihenfolge zu erinnern, warfen wir einen kurzen blick auf ihre Videobeschreibung.
“before we recorded it, we played the song only 1 time.
you can’t see me (drums) because we had to put the cam next to the vocal speaker, otherwise it wouldn’t have been loud enough.”
Wieso nimmt man etwas auf und veröffentlich es dann auch noch, wenn man selber damit eigentlich nicht zufrieden ist? Natürlich teilte ich dem YT-Accountinhaber meine Meinung über ihre Einstellung und ihre Musikalische Leistung mit und legte den Darstellern in dem Viddeo nahe, ggf Musikunterricht zu nehmen. Natürlich drückte ich mich weniger gewählt aus und man könnte es mit einem ” Entweder man kann es, man übt es oder mann lässt es” übersetzen. Eigentlich erwartete ich keine Antwort, um so überraschter war ich, als ich in meinen Emails folgende Nachricht für mich fand.
“herbstleyd19 hat einen Kommentar in deinem Profil gepostet:
das ist black metal bitte…underground du vollpfosten^^ und wenn du erwartest dass ich mich jetzt vor so nem kleinen poser wie dir rechtfertige, muss ich dich enttäuschen. stirb oder machs besser.”
Jetzt könnte man diese Nachricht natürlich mit viel Humor nehmen. Leider sind mir nur sehr wenig 20 jährige Blackmetalfans bekannt, die auf einen solchen Schuß vor den Bug, mit derartigen Humor reagieren würden. Eigentlich ist mir gar keiner bekannt;). Diese Nachricht zeigt mir irgendwie, dass ich mit meinen Thesen durchaus recht habe. Eigentlich würde ich ihm zugerne Antworten “werd erwachsen”, aber dann rechne ich damit, dass ich mit noch mehr Todeswünschen und Blackmetalunderground-Sprüchen “angegriffen” werde. Echte Metaller werden nicht erwachsen
Link zum Thema, der mit einem Augenzwinkern betrachtet werden sollte