Die Droge Internet

This entry was posted by on Mittwoch, 26 Mai, 2010 at

Ein Rechner, ausgestattet mit der neusten und dicksten Hardware, mit dem es ohne Probleme möglich wäre, das hardwarehungrigste Spiel auf vollen Details flüssig spielen zu können oder die Flugbahnen für die Marsmission binnen Sekunden aus zu rechnen, ist für mich kein vollständiger oder gar vollständig brauchbarer Rechner, solange er keine Verbindung mit dem Internet hat.

Man hat sich so sehr dran gewöhnt, mal eben Etwas nachsehen zu können oder sinnlos rum zu surfen, dass vielen nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Rechner anfangen können, sobald ihre Verbindung gekappt worden ist. Ach was, ‘Verbindung’, ihr Internet. Mich hat noch nie ein Kunde angerufen und gesagt, “Da stimmt irgendwas nicht mit meiner Internetverbindung”. Es heisst immer, “Mein Internet geht nicht”.

Schlimmer dagegen ist es, wenn Menschen gar nicht mehr wissen, was sie nicht nur ohne Internetzugang sondern auch ohne Rechner anstellen können. Braucht man für die folgenden Dinge Internet?: Bücher lesen, Radfahren, Joggen, allgm. Sport treiben, Freunde in der Realität treffen? Es gibt noch unzählige Dinge für die man weder Netzzugang noch Rechner braucht. Ich, für meinen Teil, bin oft ganz froh, wenn die Kiste auch mal ausbleibt. Weiterlesen

Leider bekomme ich es durch Kundenkontakt und auch durch mein näheres Umfeld mit, was es für manche bedeutet, wenn der Rechner streikt oder gar die Internetverbindung mit Absicht getrennt worden ist.

Die heißgeliebte Hardware, welche schon unzählige Nächte durchgemacht hat und einem immer ein angenehmes Spieleerlebnis verschafft hat, wird plötzlich zum Hassobjekt Nummer eins. Es ist fast erschreckend, wie sich so schnell Hass gegen etwas aufbauen kann. Man braucht sich nur auf Youtube nach Videos umsehen, auf denen Menschen ihren Freunden Streiche spielen, wie, das Netzwerkkabel vom Router abziehen und dabei das “Opfer” filmen. Nicht selten wird dabei so lange auf den Computer eingedroschen bis dieser schliesslich vollends streikt und somit noch mehr Futter für den Hass des “Opfers” bietet. Für den Außenstehenden mag das sehr witzig aussehen. Allerdings ist es für die Menschen im Umfeld des Onlinesüchtig alles andere als einfach mit  ihm und diesen Situationen umzugehen.

Paranoia.
Natürlich bekomme ich beide Seiten im Kundendienst mit. Auf der einen Seite die besorgten/verzweifelten Eltern, die nicht wissen was sie machen sollen und auf der anderen Seite den meist 14-21 Jährigen, World of  Warcraft oder sonstigen Onlinespielesüchtigen und sehr oft ungepflegten, jungen Mann. Von Letzterem werde ich nicht selten gefragt, ob ich Möglichkeiten hätte um herrauszufinden, ob “jemand” den PC in irgendeiner Art Manipuliert habe, so dass er jetzt funktionsunfähig ist. Diese Personen projezieren nur all zu oft den Teufel auf Menschen, die vielleicht mal angemerkt haben, dass der Onlinesüchtige etwas müde aussieht und die kommende Nacht vielleicht mal schlafen statt spielen sollte.

Das unter solchem Umständen zwangsweise das Umfeld des betreffenden leidet ist ihnen oft egal. Schlaflosigkeit und Frust durch Versagen im Spiel (oder in der realen Welt?) führen oft dazu, das betroffende Menschen mit einer übelen miesen Laune ausgestattet sind, welche sich unglaublich schnell in Hass umwandeln lässt. Mir selber ist ein gutes Beispiel bekannt. Die Eltern, die sich nicht mehr zu helfen wussten weil der Sohn kaum noch ansprechbar war, zogen, im für den Sohn falschen Moment, das Netzwerkkabel und kappten damit die Internetverbindung. Sofort war aus dem Zimmer des Sohns lautes Fluchen gefolgt vom Einschlagen auf den PC zu hören. Nach wenigen Augenblicken begannt die “Paranoia”. Der Sohn rannte aus seinem Zimmer, sah das sich die Eltern in der Nähe des Routers befanden und kombinierte. Sofort schrie er eben konstruiertes Szenario laut raus. “Ich hasse euch, ich will nur im Internet spielen und ihr gönnt mir gar nichts…ich hasse euch…ihr liebt mich nicht …ich hasse euch .. ich darf nie irgendwas .. nie lasst ihr mich”. Nach dieser Explosion verkroch er sich wieder in sein Zimmer und ließ unter Tränen weitere Hassansprachen von sich. Das erschreckende daran war, das der Junge anscheinend ganz und gar vergessen hatte, das seine Eltern ihm ein Dach über seinem Kopf bieten, ihn mit Kleidung ausstatten und mit Lebensmitteln versorgen.  Ich finde das wirklich heftig, wie man das alles ausblenden kann und seine Eltern mit blankem Hass strafen kann. Ich wette, das der Junge noch nie darüber nachgedacht hat, warum die Eltern zu einer solchen “radikalen” Methode gegriffen haben.

Ich glaube man kann das das Verhalten von Onlinesüchtigen gut mit dem von Drogensüchtigen vergleichen, wenn man ihnen kurz vorm “Schusssetzen” oder Sonstigem ihre Drogen wegnimmt.

Zuerst habe ich dieses Video für eine “lustige” Fälschung gehalten. Nachdem ich aber die ein oder andere Situation in Familien miterleben durfte, in denen die verzweifelten Eltern entweder das Netzwerkkabel gekappt oder die Spielekonten gekündigt haben, muss ich sagen, das das Video durchaus der Realität entspricht. Zugegeben, der Junge in dem Video dreht extrem auf, aber nimm einem Menschen, der in der Realität ein Versager ist, keine Freunde hat und in der virtuellen Welt wahrscheinlich ein Level 83 Paladin ist, der in seiner Onlinegilde von seinen unzähligen Mitstreitern bewundert wird mal dieses Onlineleben weg. Tadaa, im Video ist das Ergebniss zu sehen.

Was will ich nun also mit diesem Artikel sagen? Das Internet ist gut und schön. Allerdings sollte man auf sich und vor allem auch auf Andere achten, die drohen im Netz zu versinken und sich zum typischen WoW-Nerd entwickeln. Ich finde es entwas merkwürdig, dass es gerade im Internet Hilfeseiten gibt ;) . Oft aber ist ja gerade das Internet die einzige Sprache die von Betroffenen noch verstanden wird. Mir scheint http://www.onlinesucht.de/ da eine Gute Informationsquelle.

6 Kommentare to “Die Droge Internet”

  1. Bensor

    wie üblich und schon öfters gesagt kann ich den hass auf wow nicht nachvollziehen. und da habe ich bekanntermaßen eigene erfahrung, habs ja auch eine weile gespielt.
    nur weil es eine breitere masse spielt ist die rate der normalen menschen/idioten nicht unbedingt höher oder niedriger, gleichwohl allerdings die absolute zahl.
    ganz im gegenteil, habe einige gute bekanntschaften in ganz deutschland dadurch gefunden, mit denen sich auch jetzt noch, nachdem das spiel langweilig geworden ist, trifft.
    letzten endes kann anfällige menschen alles süchtig machen. sei es essen, internet, drogen, andere menschen oder ganz abstruse andere sachen.

  2. Mit absoluter Sicherheit kann es alles sein, das süchtig machen kann. Ich habe lediglich das Beispiel WoW gewählt weil es einen Begriff darstellt. Meinen Bruder nenne ich auch WoW-Nerd, weil er auch nicht wenig irgendwelche Onlinespiele spielt, deren Namen ich aber nicht kenne. Spricht man mit anderen Menschen über solche Menschen und deren Stadien, so kann sich jemand sehr gut etwas unter einem WoW-Süchtigen vorstellen, da es sehr viele (negative) Reportagen über dieses Spiel gibt.

  3. Bensor

    Jau, und die Hälfte der Tatsachen darin ist erfunden. :D
    Wie bei fast allen Reportagen. Siehe Killerspielreportagen. Siehe Banken. usw usf

  4. Dann kannst du mir ja auch erklären, wieso der Typ sich seine Fernbedienung in den Hintern schieben will.

  5. Mit der Stimme könnte er Grindcore machen… :drum:

  6. Wenigstens ist er so gut erzogen, dass er nicht gleich die ganze Wohnung zerlegt.
    Ich habe schon andere Sachen mitgemacht, Leute aus Wut ihr komplettes Zimmer bzw. die komplette Wohnung auseinender genommen haben. :grr: :exp:


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