Kaio bloggt wieder
Leider hat ein Todesfall mich und meine Familie nach Esslingen, im Süden Deutschlands, gezogen. Es war keine leichte Zeit, da Vieles geregelt und organisiert werden musste und vor allem auch, da ein Familienmitglied nach einer schwerern Erkrankung verstarb. Auf der anderen Seite war es auch , so seltsam es klingen mag, eine schöne Zeit. Wir saßen so eng als Familie zusammen, wie wir es schon lange nicht mehr getan hatten. Alles was wir zusammen taten war irgendwie anders, irgendwie friedlicher und gemeinsamer. Egal ob es nun Essen, Fernsehen oder einfach nur Rumsitzen war.
Ich wollte und konnte aber nicht die ganze Woche nur in der Wohnung rumsitzen und trauern. Ich suchte mir über das Internet ein paar Adressen in Esslingen raus, die irgendwie nach Rock-Kneipe oder Bar klangen…. Große Auswahl sah leider anders raus, aber egal. Mein Bruder erklärte sich bereit, mich zu einer Adresse zu fahren, die vielversprechend Klang. Dort angekommen, stellte sich herraus, dass der Laden schon seit längerer Zeit dicht war. Super. Plan B. Ich beschloß mich zum Zenrum bringen zu lassen und von dort aus nach einem gemütlichen Laden zu suchen.
Da war ich also, in Esslingen, wo ich das letzte Mal vor mindestens 10 Jahren war und mich überhaupt nicht auskannte. Es war sehr interessant Bauwerke und Strasse zu sehen und wieder zu erkennen, die ich das letzte mal als Kind gesehen hatte. So weit so gut, aber noch war keine Kneipe in Sicht. Dank meines MP3-Spielers hatte ich Musik im Ohr und so machte das nächtliche Erkunden Esslingens noch mehr Spaß. Nach einiger Zeit hatte ich die Suche aufgegeben und schaute mir die Innenstadt und die Fußgängerzone an. Menschenleer, wenn es hoch kam, habe ich eine handvoll Menschen zählen können.
Was war das? Ich hatte etwas im Augenwinkel gesehen und entschloss mich, ein paar Schritte zurück zu gehen. In einer kleinen Gasse konnte ich tatsächlich ein typisches Pub-Schild sehen und lief auch schon drauf zu. Ich vergewisserte mich, ob der Pub noch geöffnet war, er war es, und ging hinein. “Alex Pub” sah sehr gemütlich aus, aber irgendetwas fehlte. Genau, die Gäste! Der eher kleine Pub war nur von einem Gast besucht. Mir war das aber egal, denn ich hatte endlich etwas gefunden. Ich begrüßte den Gast und die Barkeeperin und erzählte, wer ich bin, woher ich komme und was ich wollte.
Was wollte ich? Genau, Bier!
Das war gar nicht so einfach. Denn das was die Baden und Schwaben und…also die Süddeutschen als Bier bezeichnen, entsprach nicht wirklich meinem Geschmack und so einigte ich mich mit mir selber auf Becks. Irene, die Barkeeperin, kam aus Griechenland und war sehr sympatisch. Ich erzählte ihr ein wenig wieso ich mich in Esslingen aufhielt und wann ich das letzte Mal dort war usw. Ihre sehr oft gestellte Frage, ” Trinkst du einen Uozo mit mir?”, glich eher einer netten Aufforderung und so wurde es doch ein sehr feuchtfröhlicher Abend. Jámas! Was ich wirklich witzig fand, dass Irene Schwäbisch mit griechischem Akzent sprach.
Mein Rückweg
Das Bier im Pub war glaube ich das günstigste in ganzen Schwabenländle. Zwei Euro für ein 0.3 Bier emfand ich als sehr fair. Dennoch machte mich der viele Ouzo langsam müde und ich machte mich auf den Heimweg.
Die Preise für ein Taxi in Esslingen sind, verglichen mit Leer, der reinste Wucher. Ich entschloss mich also, die knapp vier Kilometer nach Hause zu laufen. Die ungefähre Richtung war mir bekannt und ich lief los. Achja, ich befand mich ja in Esslingen, der Stadt, in der Berge mit 16% Steigung und mehr, zur Tagesordnung gehören. Unsere Wohnung befand sich, zu meinem Pech, natürlich auf einem dieser Berge.
Was macht eigentlich Jens?
Als ich ein weiteres Mal eine Pause einlegte, fragte ich mich was Jens wohl gerade macht, und rief ihn an. Er kam auf die Idee, mich per google durch Esslingen zu lotzen. Das hat wirklich sehr gut funktioniert und er wurde mehrfach Zeuge, wie der Berg mich fertig machte. An einer Stelle sagte er,” …jetzt musst du nur noch an der sowieso-Straße vorbei und dann .. grrrzzz”. Verbindungsabriss, na super. Ich lief noch ein bisschen umher, bis mich der Berg entgültig gekillt und ich es aufgegeben hatte, Jens nochmal zu erreichen. Irene hatte mir die Nummer eines Taxiunternehmens mitgegeben und ich dachte mir ” scheiss drauf, du rufst da jetzt an”.
Taxi
Es gestalltete sich etwas schwer, dem guten Mann am anderen Ende der Leitung zu erklären, wo ich war, aber es funktionierte schlussendlich. Es dauerte in etwa 10 Minuten bis das Taxi kam. Ich stieg ein, begrüsste den Mann freundlich und sagte, wo ich hin wollte. Nachdem ich den Straßennamen aussprach wurde der Mann, indischer Abstammung sehr böse und etwas ungehalten. Was mir denn einfiele, ein Taxi zu rufen, um mich nichtmal einen Kilometer fahren zu lassen. Ich versuchte dem Mann zu erkären, dass ich nicht aus Esslingen komme und nicht weiss, wie ich zurück zur Wohnung komme. Unter Murren und Knurren fuhr er mich dann bis zur Wohnung. 4.50€ zeigte das Taxameter an. Ich gab ihm fünf Euro, wünschte ihm noch einen schönen Abend und war endlich zu Hause. Mist verdammter, wenn die Mobilverbindung nicht abgerissen wäre, hätte ich mir und ihm das sparen können.
Neuer Abend, gleicher Pub.
Am nächsten Abend machte ich mich wieder auf, um Irene einen weiteren Besuch ab zu statten. Als ich den Pub betrat, saßen dieses Mal zwei weitere Gestallten am Tresen. Zum Einem Irenes Bruder und zum Anderem ein angetrunkener Amerikaner aus Wisconsin. Das Gespräch mit besagtem Amerikaner entpuppte sich als sehr seltsam und unterhaltsam zugleich. Er sagte, er käme aus Wisonsin, wisse aber absolut nicht was er in Deutschland mache oder wie er eigentlich her gekommen sei. Seine coolste Antwort war, ” i dont care, im just getting wasted”. Er hatte einen total abgefahrenen Akzent und war gekleidet wie ein Holzfäller. Nach und nach schien ihn das Deutsche Bier fertig zu machen und irgendwann machte er sich auf den Weg in sein Hotel, von dem er gar nicht wisse, wo es eigentlich sei.
Griechen unter sich und ein Kaio.
Der Uozo floß in Strömen und irgendwann kam an Stelle vom Rockmusik griechische Folklore und Popmusik aus den Boxen. Trotz der guten Stimmung wurde mir das dann irgendwann auch zu viel und ich beschloss, dieses Mal mit einem Taxi nach Hause zu fahren. “Bitte schicken sie mir nochmal den agressiven Inder von gestern” scherzte ich, als ich die Taxizentrale anrief. Zu meinem Glück kam ein unglaublich freundlicher Türke, mit dem ich mich die Fahrt über sehr nett unterhalten habe.
Ende